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Schuhmacher - Innung
Sibyllenstr.2
12247 Berlin-Lankwitz
Tel. 030 - 280 76 66
 

Bild : Schuh mit symbolisiertem S und Verlinkung auf den Zentralverband des Schuhmacherhandwerk

 Geschichte 2

chuhmacher - Innung Berlin

Eine alte Urkunde über das Schuhmachergewerk in Potsdam besagt, daß Jemand, der von wendischer Abkunft war, nicht an den Innungs-Privilegien teilhaftig werden konnte. Das war auch in Berlin und Cölln so und galt noch im 17. Jahrhundert. Diese Handwerker wurden den sogenannten armen Leuten zugezählt, die kein freies Eigentum besitzen und nur niedere Gewerbe betreiben durften. Daraus entwickelten sich die Oldbuters. Diese erhielten am 12. August 1284 ihre Innungsprivilegien als Schuhflicker unter der Bedingung, alles, was zum Schuhflicken brauchbar ist, aufzukaufen. Zweitens, daß sie ihren alten Schuhen neue Sohlen aufsetzen und über diese neue Vorschuhe machen dürfen. Die Wohngegend der Schuhflicker, die vom Volk "Lapper" genannt wurden, ist überliefert worden, nämlich in der Lapperstraße, der späteren Retzengasse und der jetzigen Parochialstraße in Berlin, und in der Lappstraße, der heutigen Petristraße in Cölln. Fast alle hiesigen Schuhmacher waren seit ältester Zeit zugleich Lohgerber.

Durch einen Streit mit den Kürschnern wegen unbilligen Fellkaufs und Wiederverkaufs beklagten sich die Kürschner, daß sie nur das erforderliche Fellwerk angekauft hätten. Sollte ihnen das nicht gestattet sein, so würden sie "schmale Bissen" und zur Zeit nicht einmal das "dröge Brot" erwerben und die schweren Abgaben an die Obrigkeit entrichten können. Die Schuhmacher dagegen hätten dreierlei Nahrung "Gerben, Brauen und Schuhe machen". Schon im Jahre 1300 besaßen die Berliner und Cöllner Schuhmacher gemeinsam ein Zunfthaus, das sogenannte Schuhhaus, in dem sie ihre fertigen Waren zum Verkauf ausstellten und zu dem auch ein Braurecht gehörte. Das Gildehaus hinter dem Cöllnischen Rathaus wurde 1708 wieder abgebrochen. Schon Ende September 1688 hatte das Schuhmachergewerk das Haus Fischerstraße Nr. 6 für 1750 Thaler erworben. Es lag in Cölln zum Ärger des Berliner Rathes, der es lieber gesehen hätte, ein Gewerkhaus auf Berliner Boden zu errichten.

Nachdem Kurfürst Friedrich 11. im Jahre 1442 sich der Stadt bemächtige und die Schlüssel der Stadttore in seine Hände übergingen, verordnete der Kurfürst für Berlin 2 Bürgermeister und 10 Rathmannen, für Cölln 1 Bürgermeister und 5 Rathmannen. Nach Ablauf eines jeden Jahres sollte der Rath aus der Gemeinde, besonders aber aus den Viergewerken, neue Bürgermeister und Rathmannen wählen und ihm zur Bestätigung namhaft machen. Zu den neuernannten Rathmannen gehörte auch der Schuhmacher Claus Schulze, weicher dann im Jahre 1448 neben Peter von der Gröben und demnächst 1450, 52, 54, 56 und 58 als Bürgermeister in Berlin auftritt. Als erster Hofschuhmacher wurde der Meister Otten im Jahre 1507 genannt. Das zweite HofschuhmacherPatent erhielt Meister Donat Moller im Jahre 1518. Im Jahre 1679 wurde ein gewisser Friedrich Sambach als Hofschuhmacher angenommen. Im Jahre 1685 widersetzte sich der Hofschuhmacher Ernst Böttger nach Art. 12 des Privilegs vom 13. Februar 1635 der Anordnung, in der es hieß, daß jeder Meister nicht mehr als 3 Schemel in seiner Werkstatt besetzen darf. Hiernach richteten sich auch die Hofschuster des Kurfürsten und der Kurfürstin, nur der vorgenannte Hofschuster der Kurprinzessin wollte sich an keine Zahl binden lassen. Er hielt neben den Lehrjungen fünf und mehr Gesellen und riß die meisten Arbeiten an sich, obwohl über 80 Meister in 8, 14 und mehr Tagen nicht ein einziges Paar Schuhe gefertigt haben. Sollte gemeldeter Mitmeister Ernst Böttger von der Zahl der Gesellen entbunden und befugt sein, über die Zahl der Gesellen zu halten, so werden die anderen Hofschuster diesem Exempel bald nachfolgen und uns gänzlich ruinieren.

Hatte nach dem 30jährigen Krieg eine nicht unwesentliche Umgestaltung, auch des Schuhmachergewerks, stattgefunden, so war Kurfürst Friedrich III bestrebt, die geschlossenen Handwerke überhaupt aufzugeben. Zunächst erließ er unterm 7. Mai 1688 an die Lehnskanzlei das Edict wegen Ausfertigung der Gildebriefe, aus denen dasjenige, was über die geschlossenen Innungen spräche, fortbleiben sollte. In jenen Jahren belief sich die Zahl der Schuhmachermeister auf 128 bei einer Einwohnerschaft von ca. 20 000 Seelen. Im gleichen Jahre hatten die Berliner und Cöllner Schuhmacher die Genehmigung zum Zusammenschluß mit den Gewerksgenossen in Dorotheenstadt, Friedrichswerder und der Friedrichstadt beantragt. Der Magistrat von Berlin war dagegen und berichtete dem Kurfürsten, daß die Berliner Schuhmacher" von alten Zeiten her jeder Zeit zum Tumultieren sehr geeignet gewesen seyn und der Obrigkeit viele Unruhe verursacht haben". Aber trotz dieser Bedenken ging die Vereinigung der Schuhmachergewerke der fünf Stadtteile durch das Generalprivileg am 22. März 1689 vor sich. Der Artikel 7 des Generalprivilegs befaßte sich ausführlich mit der Meisterprüfung. Dort heißt es:

"Ferner soll derjenige, weicher allhier in den hiesigen ResidenzStädten wie auch Vorstädten Meister werden will, er sei eines Meisters Sohn oder Fremder oder befreiete sich ins Handwerk, in Gegenwart aller Meister ein paar gute juchtene Reutterstiefeln, und ein paar gute Wasserstiefeln, ein paar gute CorduanscheSchuhe und ein paar Pantoffeln von Saffian und solche ernannte vier Stück von gutem und untadelhaftem Leder schneiden und verfertigen; das Leder aber aus dem Gewerkshause nicht tragen, bis er sein Meisterstück verfertigt habe, bei Strafe 2 Rth." Die heutigen Meisteranwärter haben es wesentlich leichter als in der so oft gerühmten guten alten Zeit

Für ewige Zeiten war unser Gewerkshaus in der Fischerstraße nicht gebaut worden. Am 26. September 1713 wurde es von einer Feuersbrunst heimgesucht. Das war wahrscheinlich der Anlaß, daß man an der anderen Schmalseite des Grundstücks, an der Fischerbrücke Nr. 18, im Jahre 1755 ein neues Vorderhaus erbaute, im nächsten Jahr einen Seitenflügel dazu erbaute und im Jahre 1768 das Haus Fischerstraße Nr. 6 ganz abriß und neu aufbaute. Die Kosten für diese Bauten, insgesamt 10 456 Thaler, waren schlecht angelegt.

Sei es, daß der Baugrund zu sumpfig war oder die Baumeister ihr Handwerk nicht verstanden haben. Denn schon im Frühjahr 1770 bekam das neue Haus im zweiten Stock einen Riß, im dritten barsten sogar die Mauern, und die Türen des Gebäudes schlossen überhaupt nicht mehr. Im Jahre 1775 mußte es wegen Einsturz und Feuersgefahr auf behördliche Anordnung geräumt, 1786 abgebrochen und 1787 völlig neu aufgebaut werden. Im Jahre 1842 wurde der größere Teil des Grundstücks verkauft. Es blieb der Innung das Haus Fischerstraße Nr. 25 mit den hierzugehörenden Nebengebäuden. Als Rest der ursprünglich damit verbunden gewesenen Braugerechtsame mag die Gastwirtschaft im ersten Stockwerk des Nebengebäudes gelten. Auch die Sitzungs und Versammlungsräume befanden sich darüber.

Als das Haus dann wegen der Stadtplanung und Sanierung der alten Stadtviertel aufgegeben werden mußte, erwarb die "Schuhmacherinnung GroßBerlin" das Haus in der Wallstraße Nr. 36 auf der anderen Seite der Spree und verlegte damit nach jahrhundertelanger standhafter Beharrlichkeit ihren Sitz zum ersten Mal auf nicht "altcöllnischen" Boden. Dieses Haus hat, entgegen anderen Innungshäusern der Schuhmacher, sogar den zweiten Weltkrieg überstanden. Leider ist es jetzt für uns nicht mehr zugänglich, da es sich im Ostteil unserer Stadt befindet. Dadurch sind fast alle Unterlagen und Belege der Schuhmacherinnung nicht mehr einzusehen. Etwa im Jahre 1810, nach Aufhebung der Gewerbeordnung, wurde unser Handwerk mit unzünftigen und Patentmeistern unterwandert. Unsere Innung machte rapide Rückgänge in der Mitgliederzahl, und somit schwand auch der gute Ruf des Schuhmacherhandwerks. Schon im Jahre 1845 standen sich 586 Innungsmeister 2543 unzünftigen Meistern gegenüber. Im Jahre 1850 hatte die Schuhmacherinnung wieder einen Stand von 1030 Mitgliedern. 1860 bereits 2100. Im Jahre 1947 waren in Groß-Berlin 3844 Betriebe mit 7986 Beschäftigten. Mit großem Aufwand wurde vor 100 Jahren (1884) das 600jährige Jubiläum des Berliner Schuhmachergewerks begangen. Gleichzeitig fand in Berlin der erste ordentliche Verbandstag des "Deutschen SchuhmacherInnungsbundes". mit einer darauf folgenden Fachausstellung statt.

1951 gab es in Westberlin 1859 Betriebe, und im März 1984 waren in Westberlin nur noch 192 Schuhmacherbetriebe. Davon gehören 126 der Innung an, Außerdem gibt es noch 70 Filialen. Sie beschäftigten 120 Gesellen und 28 Lehrlinge. 6 davon waren Mädchen.

Entnommen der Festzeitschrift: „700jähriges Bestehen des Schuhmacher-Innung Berlin“

ENDE

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